Verbände-Allianz legt Verbraucherkampagne neu auf und fordert schnelle Maßnahmen zur Umsetzung der Mehrwegquote

Verbände-Allianz legt Verbraucherkampagne neu auf und fordert schnelle Maßnahmen zur Umsetzung der Mehrwegquote

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Mehrwegflaschen sind die umweltfreundlichste Getränkeverpackung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Ziele im Klimaschutzgesetz – Weite Teile des Handels und große Abfüller boykottieren die gesetzliche Mehrwegquote – Umsetzung der Mehrwegquote und Unterstützung kleiner und mittelständischer Betriebe in der Region dringender denn je – Um das andauernde Unterschreiten der Mehrwegquote zu sanktionieren, muss Umweltministerin Svenja Schulze eine Abgabe von 20 Cent auf Einwegflaschen und Dosen zusätzlich zum Pfand einführen – Gleiche Pflicht für Alle:  Verbände-Allianz fordert verbindliche Umsetzung der Mehrwegquote von jedem Abfüller und Händler

 

Berlin, 4.5.2020: Gerade in der Corona-Krise wird offenkundig, wie wichtig regionale Versorgungsstrukturen und kurze Vertriebswege sind. Regionale Abfüllung, kurze Transportstrecken und eine vielfache Wiederverwendung schützen das Klima, schonen Ressourcen und sorgen für eine nachhaltige, dezentrale Versorgung der Verbraucherinnen und Verbraucher. Trotzdem liegt die Mehrwegquote nicht, wie im Verpackungsgesetz vorgesehen, bei 70 Prozent, sondern nur bei rund 43 Prozent. Unternehmen wie Aldi, Lidl, Danone oder Pepsi boykottieren massiv die Mehrwegquote, indem sie wiederverwendbare Flaschen kaum oder gar nicht anbieten. Auch der mit großem publizistischem Echo eingeleitete „Mehrweg-Test“ bei Aldi scheint nichts Anderes als ein „Feigenblatt“ zu sein.

Die „Mehrweg-Allianz“ fordert von Bundesumweltministerin Svenja Schulze, das dauerhafte Unterschreiten der Mehrwegzielquote im Verpackungsgesetz durch eine Abgabe auf Einwegplastikflaschen und Dosen in Höhe von mindestens 20 Cent zusätzlich zum Pfand zu sanktionieren. Die Mehrwegquote von mindestens 70 Prozent sollte zudem verbindlich von jedem Abfüller und Händler gleichermaßen umgesetzt werden müssen. Die im letzten Jahr eingeführte, aufwendige Kennzeichnung von Getränkeverpackungen in der Nähe des Produktes sollte zusätzlich direkt auf der Verpackung erfolgen. Die „Mehrweg-Allianz“ besteht aus der Deutschen Umwelthilfe (DUH), der Stiftung Initiative Mehrweg (SIM), dem Bundesverband des deutschen Getränkefachgroßhandels (BV GFGH), dem Verband des Deutschen Getränke-Einzelhandels (VDGE), dem Verband Private Brauereien Deutschland und dem Verband Pro Mehrweg.

Um Verbraucher beim umweltbewussten Getränkekauf zusätzlich zu unterstützen, legt die „Mehrweg-Allianz“ gemeinsam mit 5.000 Getränkehändlern, Brauereien, Mineralbrunnen und Fruchtsaftabfüllern die größte Informationskampagne im Getränkebereich „Mehrweg ist Klimaschutz“ neu auf. Durch Informationen zum Klimaschutzbeitrag wiederverwendbarer Mehrwegflaschen sollen Verbraucher zum Verzicht auf umweltschädliche Getränkedosen und Einwegplastikflaschen angeregt werden.

„Unternehmen wie Lidl, Coca-Cola oder Nestlé bewerben in Nachhaltigkeitsbroschüren ihr vermeintliches Umweltengagement. In der Realität unterlaufen sie jedoch die Ziele des Klimaschutzgesetzes der Bundesregierung, indem sie die Umsetzung der Mehrwegquote boykottieren. Allein Lidl ist für die Herstellung von jährlich 3,2 Milliarden Einweg-Plastikflaschen verantwortlich. Umweltministerin Svenja Schulze muss dafür sorgen, dass die Mehrwegquote von 70 Prozent von jedem Abfüller und Händler umgesetzt wird. Durch die Einführung einer Abgabe von mindestens 20 Cent werden die negativen Umweltauswirkungen der kurzlebigen Wegwerfverpackungen im Preis sichtbar und wirksame ökonomische Anreize für regionale Mehrwegflaschen geschaffen“, sagt die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

„Aktuelle Verpackungsmarktdaten für das Jahr 2019 belegen einen starken Anstieg des Dosenwachstums im Bierbereich von rund 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Discountbereich beträgt der Anstieg sogar über 30 Prozent. Damit wächst ausgerechnet das Gebinde überproportional, das doppelt so viele CO2-Emmissionen verursacht wie eine Glas-Mehrwegflasche. Alle Bemühungen für mehr Klimaschutz werden dadurch konterkariert. Wir erwarten von Umweltministerin Schulze endlich einen konkreten Fahrplan zur Erreichung der Mehrwegzielquote. Ganz im Sinne des letztwöchigen Petersberger Klimadialogs und dem Eintreten der Kanzlerin für ambitionierte Klimaziele. Ein ‚weiter so‘ darf es nicht geben“, sagt der geschäftsführende Vorstand des Verbandes Pro Mehrweg Günther Guder.

„Anstatt dem besorgniserregenden Dosentrend entgegenzutreten, plant Finanzminister Olaf Scholz eine steuerrechtliche Benachteiligung von Einheits-Mehrwegflaschen, die von allen Getränkeverpackungen den größten Klimaschutzbeitrag leisten. Auf diese Weise werden nicht nur die gesetzliche Mehrwegquote konterkariert und Einwegverpackungen als vermeintliche Alternative attraktiv gemacht, sondern es wird auch die Existenz vieler kleiner und mittelständischer Brauereien aufs Spiel gesetzt, die durch die Corona-Krise ohnehin mit dem Rücken zur Wand stehen. Finanzminister Scholz muss eine neue gesetzliche Grundlage zur problemlosen Fortsetzung der Bildung von Pfandrückstellungen erarbeiten. Von Umweltministerin Schulze erwarten wir eine Verhinderung der kontraproduktiven Planungen des Finanzministers“, fordert der Geschäftsführer des Verbandes Privater Brauereien Deutschland Roland Demleitner.

„Gerade vor dem Hintergrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage durch die Corona-Pandemie ist eine Umsetzung der Mehrwegquote besonders wichtig. Durch regionale Produkte in Mehrwegflaschen werden Arbeitsplätze in strukturschwachen und ländlichen Gebieten erhalten und geschaffen. Regionale Mehrwegkreisläufe bringen deutliche Vorteile gegenüber der zentralisierten Abfüllung von Einweg mit möglichst wenig Mitarbeitern. Kleine und mittelständische Betriebe, die schließen müssen, kommen nicht wieder. Ein Aussterben, insbesondere mittelständischer Brauereien, muss unbedingt verhindert werden. Mit dem Mehrwegsystem sind bundesweit rund 145.000 grüne Arbeitsplätze verbunden“, sagt der geschäftsführende Vorstand des GFGH Dirk Reinsberg.

„Für eine selbstbestimmte und klimafreundliche Entscheidung am Verkaufsregal ist es notwendig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher Mehrweg und Einweg eindeutig unterscheiden können. Eine Kennzeichnung auf dem Produkt kann den gesetzlich vorgeschriebenen Hinweis in der Nähe des Produktes weiter verbessern. Umweltministerin Schulze sollte daher eine ergänzende Kennzeichnung auf der Verpackung schnell umsetzen. Je mehr Transparenz beim Getränkekauf, desto besser“, sagt der VDGE-Vorstand Andreas Vogel.

„Nach wie vor sind bestimmte Getränkesegmente, wie beispielsweise Säfte und Nektare, von der Einwegpfandpflicht befreit. Dies führt bei Verbraucherinnen und Verbrauchern zu Verwirrung und zur Schwächung bestehender Mehrwegsysteme. Es ist nicht nachvollziehbar, warum dieselbe Einwegplastikflasche mit Cola bepfandet, aber mit Saft unbepfandet sein soll. Die Pfandpflicht sollte vereinfacht und auf alle Einwegplastikflaschen und Getränkedosen ausgeweitet werden. Der Bundesrat hat zu genau dieser Forderung am 13. März einen Beschluss gefasst. Diesen Beschluss begrüßen wir ausdrücklich und fordern Umweltministerin Schulze auf, diesen schnellstmöglich umzusetzen“, sagt der SIM-Geschäftsführer Jens Oldenburg.

Hintergrund:

Die Wiederbefüllung von Mehrwegflaschen spart im Vergleich zur ständigen Neuherstellung von Einwegverpackungen erhebliche Mengen an Ressourcen, Energie und Treibhausgasemissionen ein. Würde man alle alkoholfreien Getränke ausschließlich in Mehrweg- statt in Einwegflaschen abfüllen, dann ließen sich jedes Jahr 1,4 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Seit 2007 informieren Umwelt-, Verbraucher und Wirtschaftsverbände Bürgerinnen und Bürger über die Klimafreundlichkeit von Getränkeverpackungen. Verbraucherinnen und Verbraucher sollen so bei einer selbstbestimmten Kaufentscheidung unterstützt werden.

Neben den negativen Umweltauswirkungen von Einweg-Plastikflaschen werden im Rahmen der Verbraucherkampagne in diesem Jahr auch schwerpunktmäßig Getränkedosen thematisiert. Durch Rohstoffgewinnungs-, Veredelungs- und Schmelzprozesse ist die Herstellung von Getränkedosen aus Aluminium und Weißblech energieintensiv und heizt den Klimawandel besonders stark an. Weil Dosen nur in wenigen Anlagen abgefüllt, aber bundesweit vertrieben werden, legen sie zudem besonders lange Transportstrecken zurück.

Händler, Unternehmen, Abfallberater, Kommunen und gesellschaftliche Gruppen können mit kostenlosem Informationsmaterial Bürgerinnen und Bürger informieren. Das diesjährige Kampagnenmotiv zeigt einen Baum, der aus der weltweit bekanntesten Mehrwegflasche – der Perlenflasche – erwächst. Das Motiv verdeutlicht den Beitrag regionaler und wiederverwendbarer Mehrwegflaschen zum Schutz unseres Planeten, des Klimas und der Natur.

Links:

Frei verwendbare Druckvorlagen für Flyer und Poster der Kampagne „Mehrweg ist Klimaschutz“ finden Sie unter: https://www.duh.de/mehrweg-klimaschutz0/

Argumente für Mehrweg: https://promehrweg.de/argumente-fuer-mehrweg/

Ein politisches Forderungspapier zu Mehrwegschutz finden Sie unter: http://l.duh.de/p200504

Mehrwegkreislauf in Schwung halten

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Düsseldorf 9. April 2020 | „In der aktuellen Situation hat solidarisches Verhalten oberste Priorität. Das gilt auch und gerade für das Mehrwegsystem“, erklärt Günther Guder, geschäftsführender...

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Vermeiden statt Recyceln: Aushöhlung der Abfallhierarchie stoppen – Klima schützen!

Vermeiden statt Recyceln: Aushöhlung der Abfallhierarchie stoppen – Klima schützen!

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Vor dem Hintergrund aktueller Verpackungsmarktdaten fordert der Verband Pro Mehrweg die Politik auf, endlich Maßnahmen zur Erreichung der gesetzlichen Mehrwegquote umzusetzen

Düsseldorf 21. April 2020 | „Trotz der aktuellen zum Teil existentiellen Herausforderungen der Getränkebranche, dürfen wir die essentiellen Entwicklungen im Getränkemarkt nicht aus den Augen verlieren“, fordert Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Verbandes Pro Mehrweg. Bei der Auswertung aktueller Verpackungsmarktdaten von 2019 falle auf, dass im insgesamt rückläufigen Biermarkt die Dose ein Wachstum von 12,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr aufweise. Dadurch erreiche die Dose jetzt einen Marktanteil von 8,9 %. „Damit wächst ausgerechnet das Gebinde, dass doppelt so viele CO2-Emmissionen verursacht wie eine Glas-Mehrwegflasche Das läuft allen Bemühungen um mehr Klimaschutz entgegen“.

Bei der Betrachtung der Absatzstätten falle zudem auf, dass die 0,5-l Dose im Discounterbereich um mehr als 30 % zulege. Dabei werde nicht einfach nur eine andere Verpackung bei einer anderen Einkaufsstätte verkauft, sondern es finde ein struktureller Wandel im Biermarkt statt. „Das schädigt nicht nur die Umwelt, sondern kostet auch regionale Arbeitsplätze in Brauereien und Getränkemärkten“, erläutert Guder. „Die Mehrwegquote im Biermarkt beginnt zu bröckeln und bislang schaut die Politik tatenlos zu“. Einem begrüßungswerten leichtem Zuwachs von Glas-Mehrweg im Mineralwassermarkt im vergangenen Jahr stehe unveränderte die Einweg-Dauerdumping-Preisstrategie der Discounter bei Mineralwasser gegenüber. Dabei sehe die gesetzlich verankerte Abfallhierarchie getreu dem Grundsatz „Vermeidung vor Verwertung“ eine klare Bevorzugung von Mehrweggebinden vor.

Der Verband Pro Mehrweg fordere daher die Politik auf, einen konkreten Fahrplan mit wirksamen Maßnahmen vorzulegen, um die im Verpackungsgesetz vorgesehene Mehrwegquote von 70 Prozent zu erreichen. „Wir begrüßen die vom Bundesrat im März geforderte Ausweitung der Bepfandung und eine Kennzeichnung auf dem Produkt. Aber auch die Diskussion um eine zusätzliche Abgabe von 0,20 € je Einwegverpackungen gehört auf die Agenda“ stellt Guder klar. „Es geht um klare und verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Darüber hinaus geht es aber auch um rund 150.000 Arbeitsplätze, die mit dem Mehrwegsystem in Deutschland verbunden sind.

Mehrwegkreislauf in Schwung halten

Mehrwegkreislauf in Schwung halten

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Düsseldorf 9. April 2020 | „In der aktuellen Situation hat solidarisches Verhalten oberste Priorität. Das gilt auch und gerade für das Mehrwegsystem“, erklärt Günther Guder, geschäftsführender Vorstand des Verbandes Pro Mehrweg. Durch die stärkere Vorratshaltung in der Corona-Krise sei es zu Engpässen beim Rücklauf von Mehrwegflaschen gekommen. Der Verband Pro Mehrweg rufe daher im Einklang mit der Getränkeindustrie, dem Getränkefachgroßhandel und dem Einzelhandel Verbraucher dazu auf, ihr Leergut möglichst schnell in den Handel zurück zu bringen.

Eine scharfe Absage erteilt Guder hingegen den Versuchen Einzelner, die Rückführung von Leergut etwa durch „Kastenprämien“ in bestimmte Richtungen zu lenken. „Das läuft dem Solidarprinzip zuwider, das schon immer ein Eckpfeiler des Pool-Mehrwegsystems sein sollte, aber in diesen Wochen erst recht Grundlage unseres Handelns sein muss.“ Der Verband Pro Mehrweg unterstütze gemeinsam mit der Genossenschaft Deutscher Brunnen, dem Bundesverband des Getränkefachgroßhandels und dem Arbeitskreis Mehrweg die Initiative „Jede Flasche zählt – #BringDeinLeergut“. Auf der Webseite von Pro Mehrweg e.V. und den Webseiten der Partner finden sich die Kampagnenlogos sowie ab heute auch zwei Postermotive, die kostenlos heruntergeladen und zum Beispiel am POS eingesetzt werden können.

Verband Pro Mehrweg begrüßt Entschließung des Bundesrates

Verband Pro Mehrweg begrüßt Entschließung des Bundesrates

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Düsseldorf 13. März 2020 | Der Verband Pro Mehrweg begrüßt die heutige Entschließung des Bundesrates zur Ausweitung der Pfandplicht auf Einwegflaschen und zum Schutz von Pool-Mehrweggebinden vor einer steuerlichen Benachteiligung. Ebenso befürwortet Pro Mehrweg die in der Entschließung vorgesehene Ausweitung der Kennzeichnung auf Einweg- und Mehrwegflaschen. Der Geschäftsführende Vorstand von Pro Mehrweg, Günther Guder, erklärt dazu: „Die Länderkammer hat heute einen klaren Arbeitsauftrag an die Bundesregierung formuliert. Das Bundesfinanzministerium ist aufgefordert, schnellstmöglich die drohende steuerliche Benachteiligung von Poolmehrweggebinden zu beseitigen. Bezüglich der Erweiterung der Pfandpflicht und der Kennzeichnung auf dem Etikett liegt der Ball nun beim Bundesumweltministerium, die recht klare und einfache Entschließung des Bundesrates umzusetzen.“

Der Bundesrat hatte heute einen Antrag der Bundesländer Hessen und Baden Württemberg angenommen. Dort ist eine Erweiterung der Pfandpflicht auf alle Getränke in Dosen und PET-Einwegflaschen vorgesehen. Der Antrag hatte in der Getränkeindustrie breite Zustimmung gefunden. In der Diskussion in den zuständigen Ausschüssen war er zudem um einen Passus ergänzt worden, der eine drohende steuerliche Benachteiligung von besonders umweltfreundlichen Pool-Mehrwegflaschen verhindern soll. Diese Situation ist durch ein Schreiben des Finanzministeriums im vergangenen Jahr entstanden, in dem in Reaktion auf die Rechtsprechung des Bundesfinanzhofes die Einschätzung formuliert wurde, Pool-Mehrwegflaschen künftig steuerlich anders zu bewerten als Individual-Mehrwegflaschen. Im Ergebnis würden die Verwender besonders umweltfreundlicher Pool-Mehrwegflaschen, in der Mehrzahl kleine und mittelständische Brauereien, steuerlich benachteiligt und teils in existentielle Gefahr geraten. Pro Mehrweg e.V. hatte bereits auf seiner Mitgliederversammlung im Oktober vergangenen Jahres entschieden auf die Beseitigung dieses Missstandes hingewiesen. Darüber hinaus sieht die Entschließung eine Ausweitung der Kennzeichnungspflicht auf den Etiketten von Einweg- bzw. Mehrwegflaschen vor. Auch in diesem Punkt vertritt der Verband Pro Mehrweg bereits seit Jahren die Position, dass solch eine klare Kennzeichnung erforderlich ist, um Verbrauchern Orientierung beim Einkauf zu geben.

„Weil Einweg nicht dein Weg ist“ – Glasklare Kampagne von Fritz Kola

„Weil Einweg nicht dein Weg ist“ – Glasklare Kampagne von Fritz Kola

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Es begann vor einigen Wochen mit Installationen aus PET-Einwegflaschen, die in nächtlichen Guerilla-Aktionen in mehreren deutschen Großstädten aufgebaut wurden. Und derzeit sind bundesweit Großplakate mit dem Aufruf „Trink aus Glas“ zu sehen. Hinter der Aktion steckt Fritz Kola mit einer Kampagne, die junge und junggebliebene Menschen auffordert, auf Glas-Mehrwegflaschen beim Getränkekonsum zu setzen und auf den Zusammenhang zwischen Mehrweg, Abfallaufkommen und nachhaltigem Konsum zu achten.

Auf der Kampagnenwebseite bietet Fritz Kola zahlreiche Daten und Fakten rund um das Thema Mehrweg, Ökobilanzen und Mehrwegkreisläufe bis hin zu Fragen zur Glasproduktion.  Die Kampagne ist offen für Partner und ist langfristig angelegt. Alle Informationen gibt es auf der Kampagnenwebseite.

Foto Aktion Hamburg: offenblen.de

Argumente für Mehrweg

Argumente für Mehrweg

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Düsseldorf 10. Februar 2020 | Mehrwegflaschen gelten für 94 Prozent aller Verbraucher in Deutschland als umweltfreundlichste Verpackungslösung für Getränke. Das bestätigt eine kürzlich veröffentlichte repräsentative Umfrage des Arbeitskreises Mehrweg. Doch in der Diskussion über die ökologischen Vorteile von Mehrwegflaschen gegenüber Einwegflaschen werden regelmäßig Aussagen getätigt, die belegen sollen, Einwegflaschen könnten Mehrwegflaschen ökologisch „das Wasser reichen“. Im nachfolgenden Argumentationspapier sind einige dieser Aussagen aufgeführt und werden anhand der gültigen Argumente und Fakten überprüft.

Aussage: Durch die hohen Sammel- und Recyclingquoten oder auch durch Gewichtsreduktionen seien Einwegflaschen und -dosen deutlich umweltfreundlicher geworden. Hinzu kämen steigende Recyclatanteile, etwa in PET-Flaschen, durch die die Gebinde zunehmend ökologischer würden.

Fakten: Das Kernelement der deutschen und europäischen Abfallwirtschaft ist die Abfallhierarchie. Gemäß der Abfallhierarchie steht an erster Stelle Vermeidung, gefolgt von der Wiederverwendung. Erst danach folgt Recycling. Selbst wenn Einwegflaschen recycelt werden, sind sie also nur die drittbeste Lösung. Schon aus diesem Grunde können Einwegflaschen nicht auf einer Stufe mit Mehrweggebinden stehen. Grundsätzlich sind Recycling und der steigende Einsatz von Recyklaten zu begrüßen. Tatsächlich erfolgt dies aber sowohl bei Mehrweg- wie auch bei Einwegflaschen. Der entscheidende Unterschied: eine Mehrwegflasche aus Glas wird bis zu 50-mal, eine aus PET bis zu 25-mal befüllt, bevor sie recycelt wird. Hinzu kommt, dass Mehrweg Flaschen aus Weißglas im Durchschnitt 63 Prozent, solche aus Grünglas sogar 80 Prozent Rezyklatanteil enthalten, wohingegen der durchschnittliche Rezyklatanteil in Einweg- PET-Flaschen lediglich 26,2 % beträgt. Auch aus diesem Grund sind Mehrwegflaschen grundsätzlich Einwegflaschen vorzuziehen.

Aussage: Neue ökobilanzielle Daten würden zeigen, dass Einweggebinde mit Mehrweggebinden ökologisch gleichgezogen hätten.

Fakten: Alle derzeit vorliegenden, durch das Umweltbundesamt anerkannten Ökobilanzen bestätigen den ökologischen Vorteil von Mehrweggebinden. Es gibt keine anerkannte Ökobilanz, die die Behauptung unterstützen könnte, dass Einweggebinde mit Mehrweggebinden gleichgezogen hätten. Die Ökobilanz, die im Herbst 2019 vom Fachverband Kartonverpackungen (FKN) vorgelegt wurde, enthielt so eklatante Mängel, dass sie nach kurzer Zeit offiziell wieder zurückgezogen werden musste. Hochrechnungen, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden, vergleichen jüngere Daten zu Einweggebinden mit älteren Daten über Mehrweggebinde. Dabei entsteht der Eindruck, Einweggebinde hätten sich im vergangenen Jahrzehnt ökologisch verbessert, während die Entwicklung von Mehrweggebinden stagniert wäre. Das ist aber falsch. Beispiele jüngst in Betrieb gegangener Mehrwegabfüllanlagen unterstreichen eindrucksvoll den in diesem Bereich erreichten technischen Fortschritt, so etwa die im vergangenen Jahr ausgezeichneten Mehrweganlagen in den Brauereien Hochdorfer Kronenbrauerei (Nagold-Hochdorf) und Fiege (Bochum) oder im Jahr davor im Mineralbrunnenunternehmen Wüllner (Bielefeld). Sie sparen rund 50 % Wasser und bis zu 35 % Energie im Vergleich zu den Vorgängermodellen. Auch sind Mehrwegflaschen aus Glas leichter geworden. So wurde das Gewicht der Perlenflasche für Mineralwasser seit 2009 um 10 % verringert.

Aussage: Individual-Mehrweggebinde seien weniger ökologisch als sogenannte Poolflaschen und Einweggebinde.

Fakten: Poolflaschen, also Mehrwegflaschen, die von mehreren Herstellern verwendet werden, haben gegenüber individuellen Mehrwegflaschen Vorteile. Vor allem haben Poolflaschen durchschnittlich kürzere Transportwege und daher geringere CO2-Emissionen als individuelle Gebinde. Dennoch sind Individual-Mehrwegflaschen im Durchschnitt ökologisch vorteilhafter als Einwegflaschen oder Dosen. Beispielsweise könnte eine 0,5l-NRW-Bierflasche bis zu 1000 Kilometer transportiert werden und hätte dennoch eine bessere Klimabilanz als eine Dose aus Weißblech*. Die 2013 im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) und des Handelsverbandes Deutschland (HDE) durchgeführte Deloitte-Studie kommt zu dem Schluss, dass Individualgebinde alle in den Basisszenarien bisheriger Ökobilanzen zu Getränkeverpackungen angenommenen Umlaufzahlen und Transportentfernungen erfüllen und somit ebenfalls als ökologisch vorteilhaft im Vergleich zu Einweggebinden einzuschätzen sind.

Aussage: Durch die angeblich hohe Zahl an Individualgebinden sei das Mehrwegsystem nicht mehr voll funktionsfähig. So sei das System etwa durch erhöhten Sortieraufwand nicht mehr effektiv.

Fakten: Es gibt derzeit keine nachvollziehbaren Zahlen zu den Marktanteilen von Individualgebinden. Sicher ist nur, dass die Zahlen je nach Marktsegment (Bier, Mineralwasser, Fruchtsäfte, Erfrischungsgetränke, etc.) sehr unterschiedlich sind und zudem je nach Region stark schwanken. Für den Mineralwasserbereich gilt, dass die Poolgebinde der Genossenschaft Deutscher Brunnen mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent nach wie vor eine marktbeherrschende Stellung haben.

Vor allem lenkt die Diskussion um die Zahl und die Marktanteile von individuellen Mehrwegflaschen aber von den entscheidenden Fragen ab. Denn zum einen ist festzustellen, dass Individualgebinde überwiegend regional verbreitet werden. Selbst ein bundesweit arbeitendes Unternehmen wie der Gerolsteiner Mineralbrunnen gibt an, rund 80 Prozent seiner Produkte im Kerngebiet rund um den Standort in der Eifel zu verkaufen. Das führe zu keinen höheren Transportentfernungen als die Abfüllung in eine Poolflasche**.

Die zweite entscheidende Frage betrifft den Sortiertaufwand. Es trifft sicherlich zu, dass durch eine zunehmende Anzahl von Individualgebinden ein erhöhter Sortieraufwand entsteht. Der Engpass liegt aber nicht in der Sortierfähigkeit der Gebinde, sondern darin, Maßnahmen, die bereits als Lösung erkannt, diskutiert und teils bereits implementiert sind, auch verstärkt umzusetzen. Ein Beispiel sind Bier-Sixpacks, die sehr oft in Markenkästen in den Handel transportiert werden, aber vom Endverbraucher als Einzelflaschen zurückgegeben und dementsprechend auch zurückgeführt werden. Eine Lösung lautet, die Six-Packs auf neutralen Kästen und Trays anzuliefern und diese auch für die Rückführung der Einzelflaschen zu nutzen. Diese von der Firma Logi-Pack entwickelte Lösung hat ihre Funktionsfähigkeit bewiesen, ist allen wichtigen Marktteilnehmern bekannt und müsste lediglich in der Breite implementiert werden.

Hinzu kommt, dass die Deloitte-Studie von 2013 klar gezeigt hat, dass Individualflaschen in der Region direkt zwischen Brauereien getauscht werden und/oder durch den Getränkefachgroßhandel (GFGH) sortiert und zurückgeführt werden. Hierzu sind in den vergangenen Jahren automatisierte oder teilautomatisierte Sortieranlagen entstanden. Ferner hat der GFGH erklärt, diese Kapazitäten im Dienstleistungsbereich weiter ausbauen zu können und zu wollen. Schließlich wird jüngst erneut die Frage neuer Poolflaschen auch im Brauereisektor diskutiert. Vorbild ist dabei die „neue Perlenflasche“ im Mineralwassermarkt, die im vergangenen Jahr sehr erfolgreich durch die Genossenschaft Deutscher Brunnen auf den Markt gebracht wurde.

Aussage: Wenn von heute auf morgen alle Einweggebinde durch Mehrweggebinde ersetzt würden, drohe ein Verkehrschaos und die CO2-Emmission stiegen durch die vermehrten Transporte.

Fakten: Hochrechnungen haben ergeben: würden alle alkoholfreien Getränke in Deutschland anstatt in Einweggebinden in Mehrwegverpackungen abgefüllt, könnten bei Berücksichtigung aller Faktoren inklusive des Transportes und der Reinigung rund 1,4 Mio. Tonnen CO2 jährlich eingespart werden. Dies entspräche den CO2-Emissionen von über 880.000 Mittelklasse-PKW mit einer Jahresleistung von 13.000 km.*** Würde in diesem Zuge der Anteil der Poolflaschen gesteigert, würde es weitere Einspareffekte geben, zumal die durchschnittlich längeren Transportentfernungen von Einweggebinden in Deutschland wegfielen.

Auch in praktischer Hinsicht entbehrt die Behauptung jeder Grundlage. Zum einen hat zu Zeiten deutlich höherer Mehrwegquoten auch kein Verkehrschaos geherrscht. Zudem würde eine wünschenswerte Umstellung aller Einweg- auf Mehrweggebinde nicht von heute auf morgen, sondern in einer Übergangsphase erfolgen, die allen Marktteilnehmern ausreichend Zeit zur Umstellung geben würde.

Aussage: die gesetzlich vorgesehene Mehrwegquote von 70 Prozent ist nicht zeitgemäß und gängele den Verbraucher.

Fakten: Tatsächlich ist die Frage zu stellen, warum die vorgesehene Mehrwegquote so niedrig angesetzt ist. Angesichts des dringenden Handlungsbedarfs im Klimaschutz wäre eine höhere Quote sinnvoller, die zudem weitere Getränkesorten umfassen müsste und mit zielführenden Maßnahmen wie etwa einer Pflichtabgabe von 20 Cent auf Einwegverpackungen verbunden sein sollte. Bezüglich der Rückführung gibt es keine Unterschiede zwischen Einweg- und Mehrwegflaschen: sie müssen beide zum Rücknahmeautomaten bzw. zur Annahmestelle im Handel gebracht werden. Es kann daher in keinem Fall von Gängelei gesprochen werden.

Aussage: der wachsende Marktanteil von Dosen belegt, dass die Dose zeitgemäß ist. Zudem würden Dosen fast vollständig recycelt.

Fakten: Getränkedosen aus Weißblech und Aluminium zählen zu den umweltschädlichsten Getränkeverpackungen auf dem Markt. Eine Getränkedose verursacht mehr als doppelt so viele CO2-Emmissionen wie eine Glas-Mehrwegflasche****. Die Recyclingquoten werden mit maximal 50 Prozent veranschlagt. Hinzu kommt, dass bei der Gewinnung der Rohstoffe zur Aluminiumherstellung höchst giftige Rotschlämme entstehen, die ätzende Natronlauge und giftige Schwermetallverbindungen enthalten. Die wachsenden Marktanteile von Getränkedosen sind daher keine gute Nachricht für den Klima- und Umweltschutz.

Fazit: Mehrwegsysteme sind ein unverzichtbarer Bestandteil einer wirksamen Klima- und Umweltpolitik. Allerdings lässt sich das Mehrwegsystem noch stärker optimieren. Durch eine ansteigende Komplexität, aber auch durch mangelhafte politische Rahmenbedingungen, stehen die Mehrwegsysteme im 21. Jahrhundert vor neuen Herausforderungen. Es bedarf daher einer engen Zusammenarbeit aller am System Beteiligten, um das Zusammenspiel im System besser zu justieren.

Der Verband Pro Mehrweg e.V. versteht sich als Plattform für diese Aufgabe und lädt alle interessierten Kreise ein, in einem gemeinsamen Prozess das Mehrweg-System für Getränke noch besser zu machen als es heute bereits ist.

Quellen
* Berechnung der Deutschen Umwelthilfe auf Basis der Daten des Dosenherstellerverbandes BCME (2010)
** https://www.gerolsteiner.de/de/mineralwasser/gerolsteiner-075l-glasflasche-im-12er-kasten/
*** https://www.duh.de/projekte/mit-mehrweg-das-klima-schuetzen/
**** BCME Ökobilanz 2010